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(Otto-Hahn-Institut) |
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Ein kurzer Abriß der Entwicklung des Instituts seit
dem Wiederaufbau nach dem Ende des 2. Weltkrieges: Forschungsrichtungen
und -schwerpunkte der Abteilungen und ihrer Direktoren.
A) Vorspann: Die Jahre in Berlin
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Das Institut wurde 1912 in Berlin-Dahlem als Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie gegründet (Bild 1). Das erste Institutsmitglied, das den Nobelpreis für Chemie erhielt, war 1915 Richard Willstätter (1872-1942). Die Teamarbeit von Otto Hahn (1879-1968), Lise Meitner (1878-1968) und Fritz Straßmann (1902-1980) [im Bild 2 von rechts nach links] führte dann im Dezember 1938 zur Entdeckung der Kernspaltung. Otto Hahn war Direktor des Instituts von 1928 bis 1946. Er erhielt den Nobelpreis für Chemie des Jahres 1944.
Im Kriegsjahr 1944 wurde das Institutsgebäude bei Luftangriffen schwer beschädigt (Bild 3). Dabei unzerstört gebliebenes Inventar wurde daraufhin in einer stillgelegten Textilfabrik in Tailfingen/Württemberg (heute Albstadt) untergebracht. Dort wurden die in Berlin begonnenen Arbeiten provisorisch fortgeführt.
B) Die Jahre in Mainz
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Bereits im Jahr 1946 begann auf dem Gelände der ehemaligen Flakkaserne in Bretzenheim, in unmittelbarer Nachbarschaft zur ebenfalls neu entstehenden Universität, geleitet von Fritz Straßmann, der Aufbau eines neuen Instituts. Vorhandene Gebäude wurden repariert und umgebaut (Bild 4), und zum Teil entstanden erste Neubauten. Aber erst 1949 waren die Arbeiten soweit fortgeschritten, daß der Umzug von Tailfingen nach Mainz durchgeführt werden konnte.
In der Zwischenzeit (1948) war in der amerikanischen und britischen Besatzungszone aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mit Otto Hahn als erstem Präsidenten, hervorgegangen. Die ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Institute, die sich in der französischen Zone befanden, also auch das Mainzer Institut, wurden 1949 der MPG angegliedert und umbenannt. Das Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie in Mainz, mit damals 53 Beschäftigten, war entstanden. (Heute sind ca. 150 Mitarbeiter angestellt, und weitere 100 Stipendiaten und Gäste halten sich am Institut für begrenzte Zeit auf.)
Die feierliche Einweihung des Instituts erfolgte nach weiterer mehrjähriger Bautätigkeit am 9. Juli 1956. Das Institut erhielt den zusätzlichen Namen "Otto-Hahn-Institut" (Bild 5). Eine bauliche Erweiterung erfolgte im Jahr 1961 mit dem Neubau für die Abteilung Kernphysik (Bild 6), der dann aber bereits 1985 einem größeren Gebäude (Abteilung Chemie der Atmosphäre) weichen mußte.
alphabetisch, nach Abteilungsdirektor aufgelistet:
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Fritz Straßmann (1902-1980) war ab 1949 Direktor der radiochemischen (ehemals Hahn'schen) Abteilung. Er führte die in Berlin begonnenen und in Tailfingen fortgesetzten Arbeiten von 1949 an am MPI in Mainz weiter. In den seit 1947 neu entstandenen Arbeitsräumen wurden radiochemische Untersuchungen durchgeführt und Fragen der Kernphysik und des Aufbaus der Atomkerne bearbeitet. Es wurde (unter anderem) auch bereits biologische und medizinische Forschung mit Hilfe radioaktiver Indikatoren betrieben. Mit der Aufstellung zweier Hochspannungsanlagen (Kaskadengenerator mit 1,4 Megavolt, Van-De-Graaff-Generator mit 3 Megavolt) war man dann zu Beginn der 50er Jahre in der Lage, radioaktive Präparate für eine Vielzahl von Forschungszwecken herzustellen. 1953 beendete Fritz Straßmann seine aktive Arbeit am Institut und widmete sich ausschließlich seinen Aufgaben an der Johannes Gutenberg-Universität, an die er ebenfalls 1946 als erster Ordinarius für Chemie berufen worden war. |
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Josef Mattauch (1895-1976), der bereits seit 1941 als Nachfolger von Lise Meitner die physikalische Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie leitete, wurde 1946 (als Nachfolger von Otto Hahn) Direktor am Institut. Nach Auslandsaufenthalten in der Schweiz und U.S.A. konnten er und seine Mitarbeiter im Jahre 1952 (mit Hilfe der Massenspektrographie) bereits in Berlin begonnene Präzisionsbestimmungen von Isotopenmassen fortsetzen. Messungen von Isotopenhäufigkeiten bei verschiedenen Elementen wurden durchgeführt, und die Kernmassen vom Neutron und Proton bis hin zum Chlor wurden exakt bestimmt. Empfindliche Massenspektrometer wurden später eingesetzt, um geringste Mengen von Edelgasen in Meteoriten zu bestimmen. 1965 ging Josef Mattauch in den Ruhestand. |
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Friedrich A. Paneth (1887-1958) übernahm 1953 als Nachfolger Straßmanns die radiochemische Abteilung. Er brachte aber außerdem eine neue Forschungsrichtung, die Kosmochemie, ans Institut. Es wurden in seiner Abteilung Spaltprodukte des Eisens und anderer Elemente, die durch die energiereiche kosmische Strahlung in Meteoriten entstanden waren, untersucht. Altersbestimmungen mit Hilfe der Helium-Methode wurden durchgeführt und kleinste Mengen der Edelgase Helium und Neon in Eisenmeteoriten und metallischem (auf der Erde entstandenem) Eisen gemessen. Friedrich Paneth starb 1958, nur fünf Jahre nach Amtsantritt. |
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Heinrich Hintenberger (1910-1990), bereits seit 1949 als Mitarbeiter Mattauchs am MPI, wurde 1959 Direktor der Abteilung Massenspektrometrie. Die von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten massenspektrometrischen Methoden ermöglichten die Untersuchung sehr kleiner Substanzmengen. Es konnten somit Isotopengeologische Fragen bearbeitet werden, und künstliche Kernspaltungsprodukte und Edelgase konnten in Meteoriten untersucht werden. Dies führte zu einer engen Zusammenarbeit mit der Kosmochemie. Es konnte dann in der Folgezeit gezeigt werden, daß einige Meteorite Edelgase enthielten, die weder von der Erde stammtem, noch durch kosmische Strahlung entstanden sein konnten. Es mußte sich um Uredelgase handeln. Heinrich Hintenberger beendete 1978 die aktive Dienstzeit. |
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Hermann Wäffler (1910-2003) wurde im gleichen Jahr (1959) zum Direktor der Abteilung Kernphysik ernannt. In dieser Abteilung wurde ein bereits im Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin im Bau befindlicher Druckbandgenerator fertiggestellt. Dieser Beschleuniger diente u.a. zur Durchführung von Vorversuchen, die für die Entwicklung eines leistungsfähigeren Linearbeschleunigers (bis 300 MeV), der zusammen mit dem kernphysikalischen Institut der Universität gebaut wurde, notwendig waren. Beide Beschleuniger wurden dann zur Untersuchung der Prozesse an Atomkernen (Symmetrieverletzungen, Streuung etc.) eingesetzt. Theoretische Arbeiten zu kernphysikalischen Themen kamen hinzu. 1978 ging Heinrich Wäffler in den Ruhestand, und die Abteilung wurde geschlossen. Eine verkleinerte Arbeitsgruppe blieb aber bis 1991 bestehen. |
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Heinrich Wänke (geb. 1928) wurde 1967 zum Direktor der Abteilung Kosmochemie ernannt. Er und seine Mitarbeiter trugen in der Folgezeit durch Untersuchungen an Meteoriten zur Aufklärung der Frühgeschichte des Sonnensystems bei, bestimmten bei vielen Meteoriten deren Aufenthaltsdauer im All und die Folgen der Einwirkung der kosmischen Strahlung. Hinzu kamen später Arbeiten über den Planeten Mars, dessen chemische Zusammensetzung aus Meteoriten, die von diesem Planeten abstammen, abgeleitet werden konnte. Beiträge zur Marsforschung mittels Raumsonden folgten. Die Erforschung der Erdkruste und die Untersuchung von Mondgestein waren weitere Arbeitsschwerpunkte der Abteilung. Heinrich Wänke trat 1996 in den Ruhestand, ist aber weiterhin aktiv an der Marsforschung beteiligt. |
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Christian Junge (1912-1996) wurde 1968 Direktor der neu gegründeten Abteilung Chemie der Atmosphäre und physikalische Chemie der Isotope. Damit wurde eine neue Forschungsrichtung am Institut etabliert, bei der am Anfang die Erforschung des atmosphärischen Aerosols, seiner Größenverteilung und seiner Eigenschaften im Vordergrund stand. Es folgten Studien über die Änderung der Zusammensetzung der Atmosphäre seit Bestehen der Erde und über das Verhalten von fluorierten Kohlenwasserstoffen in der Lufthülle. Die Kreisläufe verschiedener Spurengase, ihre Quellstärke, durchschnittliche Verweilzeit und Konzentration in der Atmosphäre und das in der Troposphäre vorhandene Ozon wurden ebenfalls untersucht. Christian Junge ging 1979 in den Ruhestand. |
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Friedrich Begemann (geb. 1927) war seit 1978 Direktor der Abteilung Isotopenkosmologie. Erforscht wurde in seiner Abteilung die Geschichte der Meteorite und ihre Eignung als "Raumsonden" für das Studium der kosmischen Strahlung und der chemischen und isotopischen Zusammensetzung des Sonnenwindes. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt waren Untersuchungen zur Kernsynthese mittelschwerer Elemente und ihrer Isotope. Später kamen Arbeiten zur Bestimmung der Herkunft archäologisch interessanter Metallfunde und zur Erforschung der Anfänge der Metallverarbeitung am Beginn der Bronzezeit hinzu. Friedrich Begemann ist seit 1995 im Ruhestand. |
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Paul J. Crutzen (geb. 1933) wurde 1980 als Nachfolger von Christian Junge Direktor der Abteilung Chemie der Atmosphäre. In dieser Abteilung werden Laborversuche zur Bestimmung der Absorption von Ultraviolett- und Infrarotstrahlung durch atmosphärische Spurenstoffe durchgeführt, und es wird die Geschwindigkeit, mit der Stoffe in der Atmosphäre reagieren, bestimmt. Um die Entstehung des arktischen und antarktischen Ozonloches besser verstehen zu können, werden Prozesse, die an stratosphärischen Partikeln ablaufen, im Labor simuliert. Es werden weltweit Messungen von in unserer Lufthülle vorhandenen Spurenstoffen durchgeführt. Mathematische Modelle, in die die gewonnenen Daten einfließen, werden zur Beschreibung meteorologischer, klimatischer und chemischer Vorgänge entwickelt. Mit ihrer Hilfe werden z.B. die möglichen klimatischen Folgen eines nuklearen Krieges oder der Einfluß der menschlichen Aktivitäten auf Ozon und Klima abgeschätzt. Paul Crutzen wurde 1995 zusammen mit M. Molina und F. S. Rowland der Nobelpreis für Chemie verliehen. Paul Crutzen trat 2000 in den Ruhestand. |
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Albrecht W. Hofmann (geb. 1939) wurde 1980 Direktor der neu gegründeten Abteilung Geochemie. In seiner Abteilung werden großräumige geologische Vorgänge, wie z.B. die Bildung von kontinentaler und ozeanischer Kruste, die chemische Differentiation des Erdmantels, aber auch die Zirkulation heutiger und früherer Ozeane untersucht. Mit Hilfe von massenspektrometrischen Messungen von Isotopenhäufigkeiten werden absolute Altersbestimmungen an Gesteinen durchgeführt. Darüberhinaus wird die Herkunft von vulkanischen Laven aus dem Erdmantel oder der Erdkruste durch Isotopenhäufigkeiten und Spurenelementgehalte bestimmt, und es werden extrem langfristige Recyclingprozesse von ehemaliger Erdkruste durch den Erdmantel untersucht. Es werden die Drücke und Temperaturen und andere physikalisch-chemische Zustandsgrößen bei Schmelzungen und Mineralumwandlungen, die im tiefen und tiefsten Erdinnern stattfinden experimentell untersucht. Im Jahr 2007 ging Albrecht Hoffmann in den Ruhestand. |
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Meinrat O. Andreae (geb. 1949) wurde 1987 Direktor der neu gegründeten Abteilung Biogeochemie. Die Mitarbeiter dieser Abteilung untersuchen vorrangig (und in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Chemie der Atmosphäre) Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre und der Bio- bzw. Geosphäre unseres Planeten. Es werden die von der Biosphäre (terrestrische und marine Pflanzen und Tiere), der Geosphäre (Erdboden und Ozeane) und dem Menschen in die Atmosphäre eingebrachten Stoffe untersucht. Ihre Rückführung nach teilweiser Umwandlung in der Atmosphäre wird ebenfalls erforscht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen tragen zum Verständnis globaler Stoffkreisläufe bei. Sie werden außerdem genutzt, um die sehr komplexen und weltweit gekoppelten Klimavorgänge zu verstehen. Mit Hilfe von Modellrechnungen kann dann der z.T. nachhaltige Einfluß der Menschheit auf diese Vorgänge und die sich daraus ergebenden Folgen abgeschätzt werden. |
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Günter W. Lugmair (geb. 1940) wurde 1996 Nachfolger von Heinrich Wänke als Direktor der Abteilung Kosmochemie. Die Meteoritenforschung, die Erkundung der Prozesse im frühen Sonnensystem, die Studien zur Wirkung kosmischer Strahlung auf Meteorite und Altersbestimmungen bleiben weiterhin Schwerpunkte im Aufgabenspektrum der Abteilung. Hinzu kommen Studien der isotopischen Zusammensetzung von interstellaren Staubkörnern. Diese Untersuchungen lassen Rückschlüsse auf den Typ ihres Ursprungssystems und auf die nucleosynthetischen Prozesse in diesen Sternen zu. Ausgedehnt werden die Arbeiten zur Entwicklung von Experimenten an Bord von Raumsonden, die der Erforschung der Planeten unseres Sonnensystems, insbesondere des Mars, dienen. Günter Lugmair ist seit 2005 im Ruhestand. |
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...und nicht zu vergessen: Die Arbeiten der wissenschaftlichen Abteilungen wurden und werden tatkräftig unterstützt von den Mitarbeitern der Verwaltungen, Werkstätten, EDV und Bibliothek.
Bilder und Text sind einer Präsentation entnommen, die anläßlich eines "Tages der offenen Tür" (1999) angefertigt, und 2002 erweitert wurde.
(©
W. Elbert, Dezember 2007)
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